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Tips für Yogis von Sabine Ketzler
Diplom Sozial-Pädagogin mit Studienschwerpunkt Gesundheitshilfen
Ärztlich geprüfte Yogalehrerin
Entspannungskursleiterin
2012 - warum machen wir uns so viele Gedanken?
Ich
gebe es zu, der Gedanke an das Jahr 2012, bzw. die Wintersonnwende, hat
mich sehr viel beschäftigt. Ist ja auch kein Wunder, denn überall
springt einem dieses Thema jetzt entgegen. Aber: warum machen wir
uns JETZT darüber Gedanken, wenn dieser Übergang, der uns prophezeit
wird, doch noch so weit weg ist? Natürlich bekommen wir viele
Informationen über Sonnenveränderungen, Veränderungen der Erde (und
bringen sie unweigerlich mit Japan in Verbindung), aber ist das
yogisches Denken?
Wir
lassen uns von diesen Gedanken und den laufenden Artikeln und Büchern
darüber doch unweigerlich aus dem JETZT herausziehen. Mit Yoga versuchen
wir im JETZT zu sein. Mit Gedanken an ein Weltuntergangsszenario - und
auch darüber, wie wir spirituell soweit sind, dass wir dieses überleben -
sind wir doch wirklich nicht in diesem Moment. Wie passt das denn noch
zusammen?
Natürlich
haben wir als Yogis schon mal den Vorteil, dass wir ja spirituell
weiter sind, als andere (welch eine Überheblichkeit dahinter stecken
kann, daran mag ich gar nicht denken), aber ist der regelmäßige Gedanke
an eine Veränderung, die noch wirklich weit ist, denn dem entsprechend?
Ich denke nicht. Wenn ich im JETZT bin, dann muss ich mir keine Gedanken
über 2012 machen. Auch nicht über Dinge, die ich vielleicht noch tun
sollte, oder wie ich am besten meditiere, damit ich zu den
"Überlebenden" gehöre.
Wenn wir Yoga wirklich leben, sollten wir von diesen Ängsten weit entfernt sein. Spirituelle Entwicklung geschieht dann, wenn die Zeit für dich reif ist. Diese Zeit ist vielleicht weit, aber vielleicht auch sehr nah. Je mehr Gedanken ich mir darüber mache, wie ich dorthin komme, desto mehr bin ich im Außen und in der Zukunft. Auf jeden Fall nicht im JETZT.
Wir sollten eher zulassen, was geschieht und nicht immer wieder versuchen uns und unser Umfeld zu ändern. Das ist meines Erachtens yogisches Denken und Handeln.
Sabine Ketzler, Pfaffenhofen a. d. Ilm
Frühling und Yoga
Frühling und Yoga haben für mich einige Gemeinsamkeiten, wie z. B.
Reinigung: Für einen "echten Yogi" gibt es neben der Meditation wohl nicht viel, was so wichtig ist, wie ein gesunder und reiner (meint gereinigter) Körper. Daher gibt es im Yoga ganz wunderbare, spezielle Reinigungshilfsmittel, die sich teilweise schon in unseren westlichen Alltag eingeschlichen haben, ohne dass wir wissen, dass sie aus dem Yoga kommen.
Hierzu gehört z. B. die Zungenreinigung mittels eines Zungenschabers. Einige Zahnbürstenhersteller sind inzwischen auf die Idee gekommen, einen solchen Zungenschaber - nicht wie üblich aus Edelstahl, oder Silber - sondern aus Kunststoff herzustellen. So effektiv und angenehm, wie dies die Originale sind, sind diese nicht, weisen aber darauf hin, dass die Zungenreinigung immer mehr Anhänger auch unter den Zahnbehandlern bekommt. Wir entfernen so leicht damit Bakterien, die sonst im Mundraum verbleiben würden. Ganz einfach am Morgen mehrmals über die Zunge ziehen, bis alle Beläge weg sind (übrigens: je mehr Beläge auf der Zunge sind, desto eher kann man von einer Verschlackung des Körpers ausgehen).
Ebenso das sog. Ölziehen (wobei sich die Geister streiten, ob nun die Russen das aus dem Ayurveda abgekupfert haben, oder es dem einfach zugeschrieben wurde). Ein Esslöffel Sonnenblumen- oder Sesamöl am Morgen so lange es geht "durch die Zähne ziehen". Das ganze wirklich möglichst lange (bis zu 10 Minuten, wer das schafft), nimmt alle Giftstoffe aus dem Mundraum, die der Körper über Nacht abtransportiert hat. Hinterher unbedingt ausspucken (gehört eigentlich auf den Sondermüll!). Nebenher: Zahnärzte schwärmen, weil das Zahnfleisch so wunderbar und die Zähne viel sauberer sind.
Auch die Nasenspülung
(neti) mittels Kännchen kommt klassisch aus dem Yoga. Sehr viele
Allergiker verwenden ihr Nasenspülkännchen inzwischen und
sind froh um die Hilfe, die es bringt. HNO-Ärzte empfehlen es
immer mehr.
Fasten:
Yoga und Fasten sind sehr eng miteinander verbunden. Der bewusste
Verzicht auf Dinge, die für uns wichtig geworden sind (ob das
nun Alkohol, Süßigkeiten, Fleisch oder anderes ist, ist
eigentlich egal), macht uns wieder achtsamer für das, was so
ganz nebenher läuft. Unachtsames Essen von Schokolade während
des Fernsehens (weil sie ja da ist), deutet darauf hin, dass wir
nicht bei dem sind, was wir tun. Denn: entweder sehe ich fern, oder
ich esse Schokolade. Beides gleichzeitig zu tun und beides wirklich
wahrzunehmen geht nicht. Daher gehört der bewusste Verzicht auch
zum Yoga. Sich wieder bewusst werden, was wir alles konsumieren (und
vor allem, was wir kaufen, ohne es zu brauchen), achtsamer im Leben
zu sein, auch das bedeutet Yoga.
Nebenher: eine Studie
besagt, dass Menschen, die Yoga machen abnehmen. Nicht weil sie sich
so fürchterlich anstrengend bewegen, sondern weil sie achtsamer
mit dem umgehen, was sie essen. Wir spüren unseren Körper
und seine Signale immer mehr. Wir merken früher, wenn wir satt
werden (übrigens sollten wir aufhören zu essen, bevor wir
satt sind!) und wir essen gesündere Dinge. Viele Menschen werden
ganz automatisch Vegetarier, wenn sie sich länger mit dem Yoga
beschäftigen, was natürlich auch mit einer
Gewichtsreduktion zu tun hat.
Fasten bedeutet für mich aber nicht nur, dass ich mir Essen versage, sondern auch, dass ich mir versage, Dinge nebenher zu tun. Alles, was ich tue, sollte mit meiner vollen Achtsamkeit geschehen. Sich auf eine Sache reduzieren und sie ganz bewusst tun (auch am Arbeitsplatz), lässt mehr Effektivität entstehen. Kein Mensch kann wirklich effektiv drei Dinge gleichzeitig tun und mit den Ergebnissen zufrieden sein.
Atemübungen (pranayama) gehören ganz einfach zum Yoga dazu. Aber auch in Fastenkliniken wird ganz bewusst viel geatmet, einfach deshalb, weil wir Giftstoffe schneller abbauen können, wenn unser Körper durch vermehrte Atmung "angefeuert" wird. Im Yoga kennen wir unser Verdauungsfeuer (agni), das wir mit speziellen Atem- und Reinigungsübungen anregen. Diese Übungen sollte man sich von einem erfahrenen Yogalehrer zeigen lassen, der evtl. korrigierend eingreifen kann, denn auch falsches Atmen kann fatale Folgen haben.
Körperübungen
(asanas) sind wohl das, was wir mit Yoga
gemeinhin immer verbinden (schließlich gibt es Unmengen an
bebilderten Büchern damit). Viele Übungen (gerade Vorbeugen
und Drehungen) haben eine sehr reinigende Wirkung, da sie unser agni
anregen und unsere Verdauung auf Trapp bringen. Zusätzlich
regen wir die Entgiftung mit speziellen Übungen an. Hier taucht
immer wieder die Frage auf: soll ich denn dann zwischen den Übungen
trinken, damit ich noch mehr entgifte?
Dazu gibt es zwei konträre Meinungen: die einen meinen, dass wir damit quasi das Verdauungsfeuer löschen (wobei dann vielleicht einfach etwas Warmes getrunken werden kann?), was dem Effekt, den wir bezwecken wollten, widerspricht. Die andere Seite sagt, dass wir eben gerade trinken müssen, um die gelösten Giftstoffe auszuspülen.
Ich selbst trinke nicht sehr viel während des Übens (nur wenn es gar nicht anders geht), dann aber eben etwas Warmes. Es tut mir auch selbst nicht gut, wenn ich viel Flüssigkeit im Magen haben und dann Vorbeugen oder Umkehrhaltungen übe. Warum sollten wir sonst auch immer darauf hinweisen, dass der Körper nicht mit Essen belastet sein sollte, wenn wir üben?
Also: einfach selbst ausprobieren, was dem Körper gut tut und auch hier gilt: Maß halten.
Auch bei den asanas sollten wir es letztendlich so halten, wie die Natur. Manchmal geht es sprunghaft schnell weiter mit dem Wachstum (wie jetzt draußen im Frühling) und dann kommt für einige Zeit Stagnation. Auch das können und sollen wir akzeptieren. Auch dem können wir einfach zuschauen, wie wir der Natur zuschauen können. Warum muss sich denn immer etwas tun? Vielleicht sollten wir es überhaupt mehr der Natur nachmachen. Dann, wenn die Zeit reif ist, geschieht alles, wie von alleine. Wir müssen uns nicht so lange verbiegen, bis wir brechen. Flexibel und mit Leichtigkeit, das sollte die Devise nicht nur im Yoga sein, sondern auch für den ganz normalen Alltag.
Ich wünsche euch einen flexiblen Geist. Namasté
Sabine
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